Angehörige

Psychisch kranke Menschen sind auf die Unterstützung ihres sozialen Umfeldes angewiesen. Jedoch sind die Angehörigen oft stark belastet. Information und Unterstützung helfen, mit den Belastungen umzugehen!

Angehörige von psychisch Erkrankten sind nicht nur wichtige Bezugspersonen, sondern häufig auch für die Betreuung und Unterstützung der Betroffenen verantwortlich. Nur wenige Personen mit einer psychischen Erkrankung erhalten eine längerfristige professionelle Betreuung, so dass oft nur noch die Angehörigen (Familie und Freunde) als Unterstützer für die Erkrankten bleiben. Wenn Patienten aus dem stationären Bereich entlassen werden, wird nicht selten die weitere Betreuung von Angehörigen übernommen, auch wenn die familiäre Situation schwer belastet ist. Gleichzeitig wird den Angehörigen nahegelegt, die Selbständigkeit des Betroffenen zu fördern und eine gesunde Distanz (wie zwischen erwachsenen, selbständigen Kindern und ihren Eltern) einzuhalten.


Unsicherheit, Angst, Wut, Scharm

Wenn das Verhalten und die gesamte Persönlichkeit eines geliebten Menschen zunehmend fremd werden, ist das mit einem tiefen Einschnitt in das Beziehungsleben und vor allem mit dem Verlust einer gewohnten "Normalität" verbunden. Die psychische Erkrankung der nahestehenden Person beeinflusst nachhaltig das eigene Leben der Angehörigen. Wenn ein Familienmitglied von einer schweren psychischen Erkrankung betroffen ist, hat das oft Auswirkungen auf die ganze Familie. Die Erkrankung steht im Mittelpunkt, umgeben von Unsicherheit, Angst, Wut und Scham, begleitet von sozialem Rückzug aller Familienmitglieder. Das „normale“ Familienleben kommt zum erliegen. Oft fühlen sich die  Angehörigen hilflos und alleine gelassen.

Für Bezugspersonen ist es schwierig eine heilsame Beziehungsgestaltung mit den Erkrankten zu erkennen. Die Angehörigen sind meist stark emotional mit der (belastenden) Situation verwickelt und reagieren mit Angst, Scham-/Schuldgefühl, Ohnmacht und Hilflosigkeit. Auch der Mangel an fachlichen Informationen führt dazu, dass die Beteiligten keine notwendigen Strukturen entwickeln können. Hinzu kommt, dass oft nicht mit Aussenstehenden über die „Krisensituation“ gesprochen wird und dadurch alle Betroffenen zu Einzelkämpfern werden.


Stigmatisierung

Noch immer werden psychisch kranke Menschen an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Viele halten Menschen mit einer psychischen Erkrankung für verrückt und abnormal und glauben, dass die Betroffenen selbst für ihr Schicksal verantwortlich seien. Auch die Angehörigen von Erkrankten werden unweigerlich mit Vorurteilen und Ablehnung gegenüber mentalen Krankheiten konfrontiert. Aus Angst, selber abgestempelt zu werden, verschweigen viele daher die Krankheit Ihres Angehörigen, ziehen sich aus ihrem sozialen Umfeld zurück und isolieren sich immer mehr. Oder Sie glauben, dass sie alles im Griff haben und mit der belastenden Situation allein fertig werden müssen.