Basiswissen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert psychische Gesundheit als „Zustand des Wohlbefindens, in dem der Einzelne seine Fähigkeit ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv und fruchtbar arbeiten kann und imstande ist, etwas zu seiner Gemeinschaft beizutragen“.


Psychische Gesundheit - Was ist das?

Gerät die „psychische Gesundheit“ eines Menschen aus der „inneren Balance“ (z.B. durch starke Belastungen, wie Arbeitsplatzverlust oder Tod eines Angehörigen) kann dies einen grossen Einfluss auf den Alltag und die Leistungsfähigkeit der Betroffenen haben. Anhaltende seelische Belastungen können Auslöser für verschiedene Symptome sein. Häufige Reaktionen sind eine starke innere Anspannung, Angstgefühle und/oder Traurigkeit. Verschwinden diese Symptome nicht nach einer begrenzten Zeit, sondern dauern länger an oder es kommen weitere dazu z.B. Panikattacken, Wahn, Selbstverletzung, Suizidgedanken, sollten sich Betroffene professionelle Unterstützung suchen.

Zu den häufigsten psychischen Erkrankungen zählen Angst- und Zwangsstörungen, Depressionen, Essstörungen und Psychosen. Die verschiedenen Krankheitsbilder können dabei in unterschiedlichen Schweregraden auftreten. Menschen mit psychischen Erkrankungen fällt es oft schwer, über ihre Probleme zu sprechen und Hilfe anzunehmen. Oft ziehen sie sich zurück. Ist die Erkrankung stark ausgeprägt, ist es den Betroffenen meist nicht mehr möglich, einen normalen Alltag zu leben und mitzugestalten.

Dem Arzt oder Psychotherapeut ist es erst nach einem ausführlichen Gespräch möglich, eine Diagnose über die psychische Erkrankung eines Patienten zu fällen.

Psychische Erkrankungen:

  • sind alltäglicher, als man denkt
  • können jeden treffen
  • sind individuell
  • verändern den Betroffenen (andere Wahrnehmungen, Denken, Stimmung, Verhalten)
  • sind kein Zeichen der Schwäche


Wie werden psychische Erkrankungen festgestellt?

Ob bzw. welche psychische Erkrankung vorliegt, diagnostiziert ein Psychologe oder Psychotherapeut nach einem ausführlichen Gespräch. Dabei werden häufig spezielle Fragebögen eingesetzt, um bestimmte Erkrankungen zu ermitteln. Ein diagnostisches Gespräch ist wichtig, um das Gesamtbild aller Krankheitszeichen zu erfassen und diesem eine Diagnose zuzuordnen. Nur durch eine ausführliche Diagnostik kann festgestellt werden, ob der Patient unter einer oder mehreren Erkrankungen leidet und wie stark diese ausgeprägt sind.

Auch eine körperliche Untersuchung gehört zu einer guten Diagnostik, damit organische Ursachen als Grund für die Erkrankung ausgeschlossen werden können. Ein wichtiges Kriterium für die Beurteilung von psychischen Erkrankungen ist dabei die Dauer der Beschwerden.


Ursachen

Die Ursachen für eine psychische Erkrankung sind vielfältig. Neben biologischen Faktoren wie Erbanlagen und Hormone, können auch individuelle Erfahrungen oder soziale Faktoren ein seelisches Leiden auslösen. Weitere Einflussfaktoren auf die Psyche sind die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gegebenheiten (z.B. Krisenregionen) in der der Mensch lebt. Die Vulnerabilität (Verwundbarkeit) eines Menschen beeinflusst, wie sich Stress auf den Organismus eines Menschen auswirkt. Sie wird bestimmt von dem Zusammenspiel der verschiedenen Entstehungsfaktoren bzw. Risikofaktoren.

Darüber hinaus existieren geschlechterspezifische Unterschiede, so dass Frauen und Männer ganz unterschiedlich auf die verschiedenen Lebenseinflüsse reagieren. Das Geschlecht spielt folglich eine wichtige Rolle bei der Entstehung und im Verlauf von psychischen Erkrankungen.


Psychische Erkrankungen bei Frauen und Männern

Es gibt geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Erkrankungsrate psychischer Störungen, so haben Frauen ein erhöhtes Risiko an Angststörungen und Depressionen zu erkranken. Im weiteren treten psychische Störungen bei ihnen häufig als Begleitsymptom einer anderen Erkrankung auf (komorbide Störung). Auch im Bereich der Suchtmittelabhängigkeit existieren Unterschiede. Während Männer stärker gefährdet sind eine Alkoholabhängigkeit zu entwickeln, neigen Frauen eher als Männer dazu, von Arzneimitteln wie Schlafmittel abhängig zu werden.


Behandlungsmethoden

Ausgeprägte und lang andauernde psychische Erkrankungen bedürfen meist einer Psychotherapie. Ziel der Behandlungen ist es, die Ursachen für die Störung zu erkennen und Möglichkeiten zu entwickeln, mit der Erkrankung umzugehen. Zu den drei gängigsten psychotherapeutischen Verfahren zählen:

  • Verhaltenstherapie
  • Analytische Psychotherapie
  • Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Bei einigen psychischen Erkrankungen sind im Rahmen der Psychotherapie auch begleitend Medikamente nötig. Wird beispielsweise eine Störung im Hirnstoffwechsel festgestellt, können in diesem Fall Psychopharmaka eingesetzt werden.


Prävention und Früherkennung

Der Einsatz von Prävention (Vorsorge) und Früherkennung bei psychischen Erkrankungen (z.B. Psychosen, Suchterkrankungen) hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Mit Hilfe präventiver Massnahmen (z.B. Stressbewältigung) sollen Risikofaktoren verringert werden und damit die Entstehung einer psychischen Erkrankung vorbeugen. Die Früherkennung richtet sich an Menschen, die bereits an einer psychischen Erkrankung leiden, um ein weiteres Fortschreiten sowie Folgeschäden der Krankheit zu verhindern. Studien konnten belegen, dass eine frühzeitige Behandlung die Heilungschancen vergrössern. Das bedeutet, je weniger Zeit vom Beginn der Erkrankung bis zur Behandlung vergeht, desto effektiver sind die Therapieauswirkungen.